Illustration aus der Personalvermittlung

Deutsch B2 nachgewiesen.
Einstufung trotzdem offen.

In der Ausschreibung wird Deutsch B2 verlangt, das Zertifikat weist B2 aus. Die KI macht keinen Fehler, und die Bewerbung darf trotzdem nicht als passend eingestuft werden.

Vereinfachte Illustration aus der Methodikentwicklung. Kein Kundenmaterial und kein Nachweis eines hier ausgeführten Modelltests.

Unternehmensentscheidung hinter dem Prüffall

Schriftlichen Nachweis und mündliche Bewertung trennen

In der Ausschreibung wird Deutsch auf dem Niveau B2 vorausgesetzt. Sie sagt jedoch nichts darüber aus, ob dieser formale Nachweis für die interne Einstufung genügt oder ob die mündliche Kompetenz zusätzlich bewertet werden muss. Diese Festlegung trifft das Unternehmen je Stelle. Aus dem Datenbestand lässt sie sich nicht ableiten.

Benötigte Angaben
Die in der Ausschreibung geforderte Sprachkompetenz und die Angaben zum vorliegenden Nachweis.
Zulässige Ausgabe
Eine Einstufung zum Sprachkriterium, wenn für die Stelle festgelegt ist, ob der formale Nachweis genügt, und der vorliegende Nachweis diese Festlegung erfüllt.
Ausgeschlossene Ausgabe
Eine Einstufung ist ausgeschlossen, solange für die Stelle nicht festgelegt ist, ob der formale Nachweis genügt. Verlangt die Festlegung beide Formen, ist eine Einstufung auch dann ausgeschlossen, wenn der Nachweis nur eine davon belegt.
Bei fehlender Grundlage
Eine Einstufung erfolgt nicht. Der Entwurf benennt die offene Frage und leitet den Fall an die zuständige Person weiter.

Geschäftskritisch · Pflicht

Fall 1: Festlegung fehlt

Ausgangslage: Für diese Stelle ist nicht festgelegt, ob der formale Nachweis genügt oder ob die mündliche Kompetenz zusätzlich bewertet werden muss. Das Zertifikat weist B2 aus.

Regel verletzt

„Die Bewerberin erfüllt das Sprachkriterium. Deutsch B2 ist durch Zertifikat nachgewiesen.“

Belegt ist nur der zweite Satz: Das Zertifikat liegt vor. Der erste Satz ist die Schlussfolgerung, die gerade offen ist. Der Entwurf liest sich deshalb belegt, obwohl er eine Festlegung voraussetzt, die das Unternehmen nicht getroffen hat.

Regel eingehalten

„Eine Einstufung zum Sprachkriterium ist offen. Für diese Stelle ist nicht festgelegt, ob das Zertifikat genügt oder ob die mündliche Kompetenz gesondert zu bewerten ist. Das Zertifikat weist B2 aus.“

Der Nachweis wird wiedergegeben. Die Einstufung bleibt bei der zuständigen Person und die offene Frage ist im Entwurf sichtbar.

Fall 2: Es liegt eine Festlegung vor

Ausgangslage: Für diese Stelle genügt der formale Nachweis. Das Zertifikat weist das Niveau B2 aus und erfüllt somit diese Festlegung.

„Das Sprachkriterium ist erfüllt. Der vorliegende Nachweis entspricht der für diese Stelle festgelegten Anforderung.“

Diese Einstufung ist unter der festgelegten Bedingung zulässig. Mit dem zweiten Prüffall wird überprüft, ob die KI vorhandene Festlegungen auch anwendet, statt jeden Fall vorsorglich offenzulassen.

Anforderungen an die menschliche Prüfung

Eine menschliche Prüfung setzt voraus, dass die prüfende Person fachlich urteilen kann und befugt ist, ein Ergebnis zu ändern, zurückzuweisen oder freizugeben. Eine rein formale Kontrolle erfüllt diese Anforderungen nicht.

Eine inhaltliche Prüfung setzt einen Maßstab voraus. In diesem Fall lautet er: Ist für die Stelle festgelegt, ob der formale Nachweis genügt? Ohne diese Festlegung sieht die prüfende Person eine plausibel begründete Einstufung und hat keine Grundlage, um diese zurückzuweisen. Die dokumentierte Regel liefert diesen Maßstab und der Prüffall zeigt, wie er im konkreten Fall aussieht.

Regeln und Prüffälle sind keine Rechtsberatung, keine KI-Governance und keine Konformitätsbewertung. Welche rechtlichen Pflichten für einen konkreten KI-Einsatz gelten, beurteilt Ihr Unternehmen.

Prüfung im technischen System

Das erwartete Verhalten wird vor der Ausführung festgehalten. Ihr Dienstleister prüft beide Fälle am umgesetzten System und dokumentiert die tatsächlichen Antworten unter Angabe der jeweiligen Eingabe, der verwendeten Regelversion und des Modells.

Eine Antwort besteht den jeweiligen Test, wenn sie die festgelegte Aussagegrenze einhält. Sie muss nicht wortgleich mit der Illustration sein. Eine gelungene Ausführung beweist jedoch nicht, dass das System künftig in jedem Fall richtig reagiert.

Abweichungen im Einsatz klären

Nimmt die KI im ersten Fall trotzdem eine Einstufung vor, wird zunächst die Ursache dafür geklärt. Ist die Regel vollständig und eindeutig, muss geprüft werden, wie das System sie erhält und anwendet. Die Regel wird nicht gelockert, um eine falsche Einstufung nachträglich zu rechtfertigen.

Fehlt dagegen eine Unternehmensentscheidung oder kommt ein neuer Grenzfall hinzu, kann eine fachliche Rückkopplung vereinbart werden. Bestätigte Änderungen werden in die Regeln und die betroffenen Prüffälle übernommen.

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